Frauen, wehrt Euch! Nein, doch nicht…so…


Durch zwei Artikel und einen Hashtag wurde eine Diskussion los getreten, auf die wahrscheinlich schon fast jede Frau gewartet hat – Die Sexismus-Debatte ist ausgebrochen. Ich fasse mal kurz zusammen, wie es mir dabei geht: „Und alle so: yeah…und alle so: no…“.

Was war passiert? Eine Journalistin schrieb über Brüderle, dass er sie auf ihr Geschlecht und ihre Geschlechtsmerkmale reduzierte, als sie über Politik reden wollte. Eine andere Journalistin schrieb, wie sie sich auf Piraten-Parteitagen fühlte. Eine wiederum andere Frau schlug vor, dass Frauen unter dem Hashtag #aufschrei ihre Erfahrungen mit sexistischen Situationen berichten könnten. Am nächsten Morgen war Twitter voller Aufschreie und die Zeitungen voller Artikel. Das Wochenende drauf fingen dann die Fernsehsendungen an, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und dabei kam nur Käse raus.

Es war ja eigentlich zu erwarten. Fernsehsendungen und Zeitungen werden halt von Männern gemacht…oh, jetzt falle ich wieder in dieses unsägliche „gegen alle Männer“ Gefühl. Aber ich kann es mir auch wirklich nicht anders erklären, wenn alle Mainstreammedien mit voller Ernsthaftigkeit am Thema vorbei diskutieren. Jauch versuchte, alles darauf zu verkürzen, dass es ja eigentlich um Brüderle und damit um Parteienproportz ginge. Bei der für die jüngere Generation bestimmten Sendung ZDFlogin wird als Gast ausgerechnet ein „Pick-Up-Artist“ eingeladen und somit das Thema abgelenkt auf das Balzverhalten der Menschen und wann ein Flirt nicht mehr okay sei. Bei Anne Will wird zumindest mal über Sexismus am Arbeitsplatz geredet, aber auch darum geht es bei der Diskussion auch nicht.Es geht darum, wie Frauen überall, in jeder Situation angesehen und angesprochen werden. Das alleine das Frau-Sein immer zum Thema gemacht werden muss. Und dass in diesem Zusammenhang die Meinung einer Frau weniger wert ist, ihr Nein ständig überhört wird und Ihre Professionalität immer angezweifelt wird.

Die Kommentare zu all dem sind auch nicht besser. Welche Kommentare über Alice Schwarzer so rumgeistern, brauche ich den interessierten Leser_innen nicht mehr zu erklären. Auch wenn ich ihre Thesen nicht teile, so muss mensch der Frau doch zu Gute halten, dass sie viele Beschimpfungen einstecken musste und immer noch einstecken muss, die meisten davon gerade sexistischer Natur. Als erstes ist mir folgender, oft geschriebener Kommentar aufgefallen: „Ich finds unfair, dass alle Männer jetzt über einen Kamm geschert werden. Das ist auch sexistisch.“ Nein, darum ging es ebenfalls nie. Dann kam: „Die Frauen sind doch selber schuld. Sie ziehen sich freizügig ein.“ Das ist an Widerwärtigkeit nicht mehr zu überbieten. Mehr sage ich dazu nicht. Anschließend folgte: „Dann müssen sich die Frauen halt mehr wehren.“ Und genau hier sehe ich den Knackpunkt. Denn danach kamen immer noch Aussagen wie: „Frauen machen sich selber zu Opfern“ „Frauen unterdrücken in Wirklichkeit Männer“ „Es ist unverschämt, dass Frauen alleine bestimmen dürfen was für sie ein Übergriff ist und was nicht“, äh, also zusammengefasst: Frauen sind Schuld.

Noch mal zurück zu: „Frauen, dann müsst Ihr euch mehr wehren“. Ich stelle mir die Frage: Was genau war denn bitte die Aktion auf Twitter mit der Erzählung der sexistischen Erlebnisse? Was genau bedeutet das denn, wenn Frauen ihre Erlebnisse öffentlich machen? Genau, sie wehren sich. So sieht das im Moment aus, wenn Frauen sich wehren. Sie fangen an, darüber zu sprechen. Öffentlich.

Aber genau das pisst anscheinend viele Menschen schon an. Da wird dann gesagt, die Frauen sollten nicht so hysterisch und/oder emotional diskutieren. Wie bitte schön sollen wir denn dann diskutieren? Da wird dann gesagt, das sei kein adäquater Weg, das Problem zu diskutieren. Wie denn dann? Oder, um es mal aggressiver zu formulieren: Möchtet Ihr Männer uns Frauen DAS auch noch vorschreiben?

Es ist ja doch das Gleiche, wie wenn du einem Typen sehr deutlich zu verstehen gibst, dass er dich in Ruhe lassen soll. Es fängt bei zornigen Blicken an, manchmal hört es erst bei Beschimpfungen auf. Ja, er ist wütend geworden, weil du dich gewehrt hast, weil du deine Meinung gesagt hast. Nichts anderes ist die Debatte in den Zeitungen, Blogs, Fernsehsendungen usw. Eine Horde wütender Männer schreibt und redet, weil sie kritisiert worden sind.

For Your Information: Einige Frauen sind echt angepisst. Sie, wie ich, haben es satt, sich die Scheiße täglich zu geben. Wir haben keinen Bock mehr. Und glaubt mir: Die Twitter-Aktion ist noch ein echter netter Weg, das Ganze anzugehen.

Und für alle Männer, die sich wirklich überfordert fühlen, hier ein paar Links mit Informationen rund um das Thema Sexismus bzw. Umgang mit Frauen. Damit könnt Ihr garantiert nichts falsch machen:

Nein heißt nein – Das Zustimmungskonzept

Der Wikipedia-Artikel zu Sexismus – eine erste Literatur, lest noch mehr!

Der Blog Mädchenmannschaft – viele schöne Artikel

Gerade erst entdeckt. Den wohl widerlichsten Beitrag zur Debatte kommt von der Welt, in der geschrieben wird, Frauen sollten diesen Sexismus als ihren Vorteil nutzen. Nur dann eine Leseempfehlung, wenn Ihr viel Scheiße ertragen könnt.

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